Kaninchen des Monats
Jeden Monat möchten wir euch an dieser Stelle ein ganz besonderes Pflegekaninchen vorstellen. Ob neugierig, verspielt, verschmust oder einfach unverwechselbar, jedes unserer Kaninchen hat seine eigene Geschichte, seinen eigenen Charakter und natürlich seinen ganz persönlichen Charme.
Mit unserem „Kaninchen des Monats“ öffnen wir ein kleines Fenster in diese Geschichten. Wir möchten euch fühlen lassen, warum uns dieses Kaninchen so besonders am Herzen liegt. Vielleicht zaubert es euch ein Lächeln ins Gesicht, vielleicht berührt es euch – doch eines ist sicher: Es zeigt, wie wundervoll und wertvoll jedes einzelne Leben ist.
Kommt mit uns auf diese Reise und lernt Monat für Monat ein neues kleines Wunder kennen. Vielleicht findet eines dieser Herzchen auch den Weg in eures.
Marlene 🌈
Marlene musste die ersten zehn Jahre ihres Lebens in einem winzigen Holzstall verbringen. Als sie zu uns als Vereinskaninchen kam, begann endlich ein neues Kapitel, geprägt von Fürsorge, Liebe und der Chance auf ein würdevolles Leben.
Doch ihr Weg blieb nicht ohne Herausforderungen. Kurz nach ihrer Aufnahme erhielt sie die Diagnose Gebärmutterkrebs. Die notwendige Operation meisterte sie mit bewundernswerter Stärke.
Besonders glücklich machte uns, dass Marlene in Aris ihren Partner fand. Gemeinsam sollte für die beiden ein liebevolles Zuhause beginnen. Doch das Schicksal meinte es erneut nicht gut mit ihr: Von einem Tag auf den anderen verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand drastisch. Die Diagnose lautete Tumor oder Abszess, leider nicht operierbar.
Trotz allem durfte Marlene gemeinsam mit Aris zu Barbara ziehen. Dort konnte sie ihren Lebensabend in Geborgenheit, mit viel Liebe und Fürsorge verbringen. Genau so, wie es jedes Tier verdient.
Am 01.07.2026 ist Marlene ganz plötzlich und friedlich für immer eingeschlafen. Auch wenn wir wussten, dass dieser Tag irgendwann kommen würde, fällt es schwer, ihn zu begreifen.
Liebe Marlene, wir sind dankbar, dass wir dich ein Stück deines Weges begleiten durften. Du wirst für immer einen Platz in unseren Herzen haben.
Komm gut über die Regenbogenbrücke.
Grüß uns all die Seelen dort oben und einen ganz besonderen Menschen.
Mach’s gut, kleines Marlenchen. 🌈
Normalerweise stellen wir hier stolz unser Kaninchen des Monats vor. Heute möchten wir jedoch innehalten und unserem unglaublichen Team von Pflegestellen von Herzen danken.
Hinter jeder liebevollen Betreuung, jeder ruhigen Nacht, jedem sanften Wort und jedem geduldigen Augenblick stehen Menschen, die mit viel Einfühlungsvermögen und unermüdlichem Engagement dazu beitragen, dass unsere Kaninchen sicher, geborgen und liebevoll auf ihr neues Zuhause vorbereitet werden.
Danke an euch alle: Für eure Bereitschaft, Stimmen der Unsicherheit zu beruhigen, für eure Geduld beim Eingewöhnen, für die konsequente medizinische Versorgung, für die tägliche Routine und Wärme und vor allem für die unerschütterliche Hoffnung, dass jedes Kaninchen eine zweite Chance verdient. Ihr schenkt Vertrauen, Stabilität und eine Zukunft, in der sich unsere Schützlinge gesehen und geliebt fühlen.
Von ganzem Herzen: Danke, dass ihr eure Pflegekaninchen mit so viel Herz begegnet. Ihr seid unbezahlbar.
Kaninchen des Monats April 2026
Tacco - ein kleines Kaninchen und eine große stille Tragödie
Tacco kam leise.
So leise, wie Kaninchen eben sind. Kein Laut, kein Protest, kein verzweifeltes Rufen nach Hilfe. Nur ein kleines Häufchen Leben, zusammengesunken in seiner Box, die Augen halb geschlossen, der Körper angespannt, als würde selbst das Atmen schon Kraft kosten.
Als wir ihn das erste Mal richtig angesehen haben, konnten wir es kaum glauben. Sein kleines Gesicht war entstellt von viel zu langen, fehlgewachsenen Zähnen. Sie standen schief, ragten unnatürlich heraus. Wie ein mutiertes Mammut. Ein erschütterndes Zeichen dafür, dass hier über einen viel zu langen Zeitraum niemand hingeschaut hat. Niemand eingegriffen hat. Niemand geholfen hat.
Und mit einem Schlag wurde klar:
Dieses kleine Kaninchen muss unvorstellbare Schmerzen gehabt haben.
Tag für Tag. Beim Fressen.Beim Kauen.Vielleicht sogar beim einfachen Schließen seines Mauls.
Wie frisst ein Kaninchen mit solchen Zähnen?
Die Antwort ist: kaum oder eben gar nicht.
Und genau das ist das Grausamste daran.
Kaninchen sind Meister darin, ihr Leid zu verbergen. In der Natur bedeutet Schwäche den Tod, also zeigen sie sie nicht.
Sie schreien nicht. Sie weinen nicht. Sie kämpfen still.
Sie sitzen einfach da. Werden ruhiger. Fressen weniger. Bis sie irgendwann…...verschwinden.
Und genau deshalb ist ihr Leiden so gefährlich unsichtbar.
Wie lange hat Tacco schon so gelebt?
Wie viele Tage hat er Hunger gehabt ohne richtig fressen zu können?
Wie oft hat er versucht zu kauen und vor Schmerz wieder aufgehört?
Wir können es nur erahnen.
Aber der Zustand seiner Zähne erzählt eine Geschichte, die niemand hören möchte.
Eine Geschichte von Wegsehen.Von Ignorieren. Oder vielleicht von völliger Unwissenheit , die am Ende genauso weh tut.
Als Tacco bei uns ankam, war es nicht fünf vor zwölf. Es war längst danach.
Und trotzdem…trotz allem, was er erlebt haben muss…hat er uns angeschaut.
Ganz vorsichtig. Ganz ruhig. In seinem Blick lag keine Wut. Kein Vorwurf.
Nur eine leise, zerbrechliche Hoffnung.
Als würde er fragen:
„Merkt ihr es jetzt? Helft ihr mir jetzt?“
Und genau dieser Blick bricht einem das Herz.
Denn Tacco hätte nie so weit kommen dürfen.
Ein eindringlicher Appell an alle, die Kaninchen halten:
Bitte schaut hin.
Kaninchen sind keine „pflegeleichten“ Tiere. Sie sind empfindlich, verletzlich und sie leiden still.
Kontrolliert regelmäßig die Zähne.
Schaut euch die Öhrchen an.
Achtet auf die Krallen.
Beobachtet das Fressverhalten.
Schon kleine Veränderungen können ein Hilferuf sein.
Denn wenn ein Kaninchen aufhört zu fressen, ist es oft schon ein Notfall.
Und wenn die Zähne so aussehen wie bei Tacco, dann hat dieses Tier viel zu lange gelitten.
Tacco ist nicht nur ein Kaninchen.
Er ist ein Symbol für all die Tiere, die nichts sagen können.
Für all die, die übersehen werden.
Für all die, die still leiden – bis jemand endlich hinschaut.
Bitte sorgt dafür,
dass es gar nicht erst so weit kommt.
Kaninchen des Monats März 2026
Henni – ausgesetzt und auf sich alleine gestellt
Als Henni gefunden wurde, ging es ihr nicht gut. Sie war stark übergewichtig, geschwächt und litt zusätzlich unter einem Milbenbefall. Es ist nicht bekannt, was sie zuvor erlebt hat. nur, dass sie plötzlich ganz alleine war. Ein kleines Kaninchen, auf sich selbst gestellt.
Trotz dieses schweren Starts hat Henni sich erstaunlich schnell erholt. In ihr steckt eine starke Persönlichkeit und ein großer Lebenswille. Sie zeigt jeden Tag, dass sie noch so viel vom Leben entdecken möchte. Henni liebt die Gesellschaft von Menschen sehr. Vielleicht auch, weil sie bisher kein Partnertier an ihrer Seite hatte. Wenn jemand den Raum betritt, beginnt sie neugierig zu hoppeln und knabbert an ihrem Futter, als würde sie zeigen wollen: „Schau, ich bin da.“ Für einen kleinen Gourmet wie Henni ist das etwas Besonderes.
Streicheleinheiten genießt sie sehr und kann dabei wunderbar entspannen. Gleichzeitig ist sie eine selbstbewusste Kaninchendame, die ihre Meinung auch deutlich äußert: Wenn ihr etwas nicht passt, meldet sie sich mit einem empörten, lauten Grunzen.
Trotz allem, was hinter ihr liegt, hat Henni ihr Vertrauen in die Welt nicht verloren. Sie wartet nun darauf, endlich anzukommen. Bei Menschen, die ihr Sicherheit geben, und vielleicht auch bei einem passenden Kaninchenpartner, mit dem sie nie wieder alleine sein muss.
Kaninchen des Monats Februar 2026
Marlene – ein Leben geprägt von Angst und Einsamkeit
Marlene ist ein Kaninchen, dessen Geschichte wir nur erahnen können. Was wir wissen, ist das, was ihr Verhalten uns zeigt und das erzählt von vielen Jahren ohne Sicherheit, ohne Nähe und ohne die Möglichkeit, einfach Kaninchen sein zu dürfen.
Zehn Jahre lang lebte Marlene allein in einem Käfig. Vermutlich ohne jemals einen Artgenossen kennengelernt zu haben. Zehn Jahre ohne soziale Bindung, ohne gegenseitiges Putzen, ohne Wärme, ohne Rückzugsmöglichkeiten. Für ein hochsoziales Tier wie ein Kaninchen ist das ein Leben in Isolation mit schwerwiegenden Folgen für Körper und Seele.
Wir wissen nicht, was genau Marlene in dieser Zeit erlebt hat. Doch eines ist offensichtlich: Sie hat unfassbare Angst vor Menschen. Schon das Betreten ihres Geheges versetzt sie in Panik. Sie reagiert mit Angriffen, greift und beißt sofort um sich. Anfassen ist für sie nicht möglich – jede Annäherung bedeutet Stress, Überforderung und blanke Angst.
Dieses Verhalten ist kein Zeichen von Aggressivität oder „Bösartigkeit“. Es ist ein Schutzmechanismus. Marlene hat gelernt, dass Nähe gefährlich ist. Dass sie sich verteidigen muss, um zu überleben. Ihr Verhalten ist Ausdruck eines tiefen Traumas, entstanden durch jahrelange Isolation und vermutlich negative Erfahrungen, die wir heute nicht mehr rückgängig machen können.
Marlene trägt die Spuren ihrer Vergangenheit jeden Tag mit sich. Vertrauen ist für sie kein selbstverständliches Gefühl, sondern etwas, das ihr bisher verwehrt geblieben ist. Sie kennt keine sanften Hände, keine freiwillige Nähe, keine Sicherheit im Umgang mit Menschen.
Und dennoch ist Marlene hier. Sie lebt. Sie kämpft. Und sie verdient Respekt, Geduld und einen Ort, an dem nichts mehr von ihr verlangt wird. Einen Ort, an dem sie in ihrem Tempo sein darf, wie sie ist.
Ohne Druck, ohne Erwartungen, ohne Zwang.
Unser Wunsch für Marlene ist kein „zahmes“ Kaninchen.
Unser Wunsch ist Frieden. Ruhe. Sicherheit. Und vielleicht ganz langsam, vielleicht auch nie ganz – ein kleines Gefühl davon, dass die Welt nicht mehr nur aus Angst besteht.
Marlene ist kein hoffnungsloser Fall. Sie ist ein Mahnmal dafür, was Isolation mit einem Tier machen kann. Und sie ist ein Lebewesen, das trotz allem Würde, Schutz und Mitgefühl verdient.
Wer möchte Marlene ein Zuhause bieten?
Gesucht wird ein sehr erfahrenes, ruhiges Zuhause, idealerweise bei Menschen mit viel Geduld, Verständnis für traumatisierte Tiere und ohne Erwartungen an Nähe oder Zutraulichkeit. Ein Umfeld, in dem Marlene einfach existieren darf.
Geschützt, respektiert und ohne Druck. Ein Zuhause, das ihre Grenzen akzeptiert und ihr die Zeit gibt, die sie braucht.
Kaninchen des Monats Januar 2026
Klee – ein Kaninchen, dem man die ersten zwölf Monate ihres Lebens nahm
Klee ist ein Kaninchen, das über mehr als zwölf Monate hinweg in einem winzigen Käfig im Hausflur gehalten wurde. Eingesperrt an einem Ort, an dem Menschen ein- und ausgingen, Lärm herrschte und sie keinerlei Rückzugsmöglichkeit hatte. Sie lebte dort ohne Schutz, ohne Wärme, ohne Zuwendung und vor allem ohne Liebe. Für ein so sensibles Fluchttier bedeutete dieser Alltag nichts anderes als dauerhaften Stress und Angst.
Bei der Abholung offenbarte sich das ganze Ausmaß ihres Leidens. Kinder traten immer wieder gegen den Käfig, lachten dabei und scheuchten Klee panisch durch den engen Käfig. Sie konnte nicht fliehen, sich nicht verstecken, sich nicht schützen. Dass Klee bissig reagierte, war kein Zeichen von Aggression, es war reine Verzweiflung und der letzte Versuch, sich selbst zu verteidigen.
Kein Wunder also, dass Klee schwer traumatisiert war. Auf der Pflegestelle zeigte sie sich anfangs extrem scheu, hochgradig ängstlich und reagierte auf Annäherung mit Angriffen. Vertrauen war für sie ein Fremdwort. Zu oft hatte der Mensch ihr gezeigt, dass von ihm nichts Gutes zu erwarten war. Jeder Griff, jede Bewegung bedeutete für sie potenzielle Gefahr.
Doch langsam, sehr langsam, beginnt Klee zu heilen. Zum ersten Mal in ihrem Leben durfte sie Artgenossen kennenlernen. Ein entscheidender Schritt für ein Kaninchen, das nie zuvor Sozialkontakt erleben durfte. Ebenso wichtig ist die Pflegefamilie, die Klee nun mit unendlicher Geduld, Respekt und Fürsorge begegnet. Hier wird sie nicht bedrängt, nicht gezwungen, nicht verletzt. Hier darf sie einfach sein.
Noch ist der Weg lang. Die seelischen Narben sitzen tief, und Vertrauen wächst nur in kleinen Schritten. Doch Klee zeigt bereits vorsichtige Zeichen der Veränderung.
Sie steht stellvertretend für unzählige Tiere, die im Verborgenen leiden. Hinter Haustüren, in Kellern, in Fluren.
Ihre Geschichte mahnt uns, hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und für diejenigen einzustehen, die sich selbst nicht helfen können.
Kaninchen des Monats Dezember 2025
Tilly und Jolly Jumper
Zwei Seelen, die sich nie gesucht haben und sich doch gefunden haben.
Tilly, ein kleines Fundkaninchen, trug einen viel zu schweren Rucksack fürs Leben:
EC-Schub, Blasengrieß, Darmparasiten.
Ein zarter Körper, der lange kämpfen musste.
Doch im Tierheim wurde sie gesehen, gepflegt, gehalten und durfte langsam wieder Hoffnung fassen.
Jolly Jumper kam nach einer missglückten Vergesellschaftung zurück.
Enttäuscht, verunsichert, erneut allein.
Ein Herz, das eigentlich nur eines wollte: dazugehören.
Und dann begegneten sie sich.
Keine Zweifel. Kein Zögern.
Die Vergesellschaftung?
Als hätten zwei verletzte Herzen still beschlossen, nicht länger allein zu schlagen.
Heute sitzen sie Seite an Seite.
Ruhig. Vertraut. Selbstverständlich.
Ein leiser, aber kraftvoller Beweis dafür, wie sehr Kaninchen einander brauchen.
Und wie wunderschön es ist, wenn zwei verlorene Seelen endlich Heimat finden.